{"id":77903,"date":"2024-06-09T10:00:00","date_gmt":"2024-06-09T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.derma.swiss\/gehaelter-der-aerzte-kosten-der-gesundheitsversorgung-und-statistiken-2\/"},"modified":"2024-07-22T14:01:27","modified_gmt":"2024-07-22T12:01:27","slug":"gehaelter-der-aerzte-kosten-der-gesundheitsversorgung-und-statistiken-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.derma.swiss\/fr\/gehaelter-der-aerzte-kosten-der-gesundheitsversorgung-und-statistiken-2\/","title":{"rendered":"Geh\u00e4lter der \u00c4rzte, Kosten der Gesundheitsversorgung und&#8230; Statistiken"},"content":{"rendered":"<div id=\"langtext_div00\" class=\"Lead\"><\/div>\n<div id=\"langtext_div0\" class=\"Text\">Von 1995 bis 2022 stieg die Bev\u00f6lkerung der Schweiz von 7,041 Millionen (Mill.) auf 8,776 Mill. (+19,77%) Einwohner. Unser ebenfalls zahlenm\u00e4ssig vergleichbares benachbartes \u00d6sterreich verzeichnete einen positiven Saldo von 1,094 Mill. (+12,10%) und stieg von 7,948 Mill. auf 9,042 Mill.. Die <b>Alterspyramide der Schweizer Bev\u00f6lkerung<\/b> hat sich jedoch im letzten Jahrhundert ver\u00e4ndert: von einem fichten\u00e4hnlichen Baum (1900) zu einem eher breitbl\u00e4ttrigen Baum mit leichten Engp\u00e4ssen aufgrund der beiden Weltkriege (1950) und schliesslich zu einer profil\u00e4hnlichen Form dank den Babyboomern, die in ihr sechstes Lebensjahrzehnt eingetreten sind (2022) (Abb. 1).<\/div>\n<div id=\"langtext_div1\" class=\"Text\">In den letzten dreissig Jahren sind die Lebenshaltungskosten im Allgemeinen stark gestiegen. Der Vergleich des <b>BIP (Bruttoinlandsprodukts)<\/b> mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, insbesondere mit den vier Nachbarl\u00e4ndern, auf der Grundlage von Preisniveauindizes f\u00e4llt eindeutig zu Ungunsten der Schweiz aus: Wir bleiben das Land mit den teuersten Preisen in Europa und das teuerste Land bei allen Konsumarten im Vergleich zu den vier Nachbarl\u00e4ndern (Abb. 2). Das Schweizer BIP war seit 1995 immer positiv, mit Ausnahme von 2002 (-0,1%) aufgrund der Dot-Com-Blase, 2009 (-2,3%) aufgrund der schweren weltweiten Rezession (Sp\u00e4tfolge der Subprime-Krise?) und 2020 (-2,1%) aufgrund der COVID-19-Pandemie. Danach stieg das BIP wieder auf +5,4% im Jahr 2021 und +2,6% im Jahr 2022, wobei es bisher keine Anzeichen f\u00fcr einen Abschwung gibt.<\/div>\n<div id=\"langtext_div2\" class=\"Text\">Im gewichteten Standardwarenkorb des <b>HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex)<\/b> liegen die Gesundheitskosten 2024 prozentual an zweiter Stelle nach den Wohnen und Energie Kosten (Abb. 3). Die Korrektur der Gesundheitskosten nach unten war in den letzten 30 Jahren das st\u00e4ndige Ziel der Gesundheitspolitik und zwang die Schweizer \u00c4rzteschaft zu einem st\u00e4ndigen Kampf um eine korrekte finanzielle Verg\u00fctung ihrer Arbeit. Die Krankenkassen, die Regierung, ein Teil der Politik und die Presse haben die medizinischen Leistungen f\u00fcr den Anstieg der Gesundheitsausgaben verantwortlich gemacht und dabei mehr oder weniger geflissentlich vergessen, dass neue diagnostische M\u00f6glichkeiten und neue, hochwirksame, aber auch sehr teure Medikamente zu einem starken Anstieg der Gesundheitsausgaben gef\u00fchrt haben. Der intellektuelle medizinische Akt, der immer im Mittelpunkt jeder Diskussion am Verhandlungstisch steht, ist f\u00fcr den Dermatologen jedoch mehr oder weniger derselbe Preis geblieben wie in den 1990er Jahren.<\/div>\n<div id=\"langtext_div3\" class=\"Text\">Am Sonntag, 21. April 2024, las ich den Artikel <i>\u00abGesundheitskosten in der Schweiz &#8211; <b>Millionengeh\u00e4lter von \u00c4rzten belasten das Gesundheitssystem<\/b>\u00bb,<\/i> der in der Sonntagszeitung erschien und sich gegen die L\u00f6hne von Chef- und Leitenden \u00c4rzten in Universit\u00e4ts- und Kantonsspit\u00e4lern richtet. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Zeitung \u00fcber die \u00abMillion\u00e4rsgeh\u00e4lter\u00bb einiger \u00c4rzte berichtet; in anderen F\u00e4llen wurden sogar Name, Nachname und Fachgebiet genannt. Der Artikel beginnt mit einem Angriff auf die Geh\u00e4lter von Chef\u00e4rzten, von denen die meisten \u00fcbrigens ein Gehalt beziehen, das weit unter dem liegt, was im Titel des Artikels steht. Dann wiederholen sie, was schon fr\u00fcher von anderen Journalisten geschrieben wurde, dass auch die Einkommen von \u00c4rzten, insbesondere von Fach\u00e4rzten, mit Privatpraxis, abz\u00fcglich aller Spesen und der AHV, zu hoch sind. Schliesslich, und das ist das erste Mal, dass sie die Verwaltungsdirektoren der Spit\u00e4ler f\u00fcr ihre CEO-Sal\u00e4re \u00ababkanzeln\u00bb. Ich werde diesen Artikel nicht kommentieren, der eine Gesundheitspolitiklinie unterst\u00fctzt, die glaubt, das Problem der Gesundheitskosten durch die K\u00fcrzung der Einkommen der \u00c4rzte l\u00f6sen zu k\u00f6nnen: \u00ab<b>Den Splitter in fremden Augen, aber nicht den Balken im eigenen sehen!<\/b> \u00bb Aber ich werde dies als Ausgangspunkt f\u00fcr einige \u00dcberlegungen nehmen.<\/div>\n<div id=\"langtext_div4\" class=\"Text\">Im Artikel der <i>Sonntagszeitung<\/i> werden in einer begleitenden Grafik (Abb. 4) die verschiedenen Kosten der <b>obligatorischen Krankenpflegeversicherung 2022<\/b> in Prozenten aufgeteilt, die sich auf insgesamt <b>CHF 37,7 Milliarden<\/b> (Mia) belaufen. Dabei ist zu beachten, dass die Patienten mit einer bedeutenden Kostenbeteiligung (u.a. Franchise) von 5,1 Mia Franken zu dieser Zahl selbst beitragen. Die Kosten f\u00fcr die station\u00e4re und ambulante Krankenhausversorgung machen 33% aus, die ambulante \u00e4rztliche Versorgung 23%, Arzneimittel 22%, 17% sind sonstige Dienstleistungen und 5% Pflegeheime.<\/div>\n<div id=\"langtext_div5\" class=\"Text\">Eine weitere Grafik (Abb. 5), die ich auf der Website der Bundesstatistik gefunden habe, fasst die <b>Gesamtkosten des Gesundheitssystems nach Leistungserbringern 2022<\/b> zusammen: sie betragen <b>91.481 Mia CHF<\/b>. Auf Krankenh\u00e4user entfielen 35,67 % der Kosten, auf sozialmedizinische Instituten 15,83%, auf Arztpraxen 14,92% und auf sonstige ambulante Leistungserbringer 7,80%. Die Grafik zeigt auch die Kostenzahlen f\u00fcr die Jahre 2017 und 2021. Der gr\u00f6sste prozentuale Anstieg von 2017 bis 2022 ist bei den sonstigen ambulanten Dienstleistern mit 20,97% zu verzeichnen, gefolgt von Arztpraxen mit 14,40 %, Krankenh\u00e4usern mit 11,41% und sozialmedizinischen Instituten mit 8,67%.<\/div>\n<div id=\"langtext_div6\" class=\"Text\">Vergleicht man die 2022 Kosten der ersten (obligatorischen Krankenpflegeversicherung) mit der zweiten (Kosten des Gesundheitssystems nach Leistungserbringern) Statistik, so zeigt sich bei den Krankenh\u00e4usern ein leichter prozentualer Unterschied von 33% zu 35,67%. W\u00e4hrend bei den Arztpraxen, wenn man die zwei Grafiken vergleicht, ein deutlicher R\u00fcckgang des prozentualen Anteils der obligatorischen Krankenpflegeversicherung von 23% zu 14,92% der generierten Gesamtkosten (zu beobachten ist, im Gegensatz zu den sozialmedizinischen Instituten, wo ein deutlicher Anstieg von 5% nur f\u00fcr Pflegeheime der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu 15,83% der generierten Gesamtkosten aller medizinisch-soziale Institutionen) zu verzeichnen ist. Damit best\u00e4tigt sich, was die FMH schon \u00f6fter festgestellt hat: <b>Ambulante Arztpraxen tragen nicht wesentlich zu den Gesamtkosten des Schweizer Gesundheitswesens bei<\/b>. Neben den notwendigen Spit\u00e4lern spielen aber auch andere Einrichtungen wie die medizinisch-sozialen Institutionen eine gr\u00f6ssere Rolle bei den Gesundheitskosten.<\/div>\n<div id=\"langtext_div7\" class=\"Text\">Betrachtet man in Abb. 5 die prozentualen Kostensteigerungen zwischen dem Jahr 2017 und dem Jahr 2022, so ist der gr\u00f6sste Anstieg bei den sonstigen ambulanten Leistungserbringern (20,97%) und den Arztpraxen (14,40%) zu verzeichnen, w\u00e4hrend er bei den Krankenh\u00e4usern bei 11,41% und bei den sozialmedizinischen Einrichtungen bei 8,67 % liegt. Meiner Meinung nach h\u00e4ngt der Grund f\u00fcr diese Unterschiede einerseits vom Anstieg der Anzahl niedergelassenen \u00c4rzte (die totale erteilte Berufsaus\u00fcbungsbewilligungen im 2017 waren 30\u2018737, w\u00e4hrend im 2022, 37\u2018082), anderseits mit der COVID-19-Pandemie zusammen. W\u00e4hrend der Pandemie zog ein grosser Teil der Bev\u00f6lkerung vor, keine Krankenh\u00e4user aufzusuchen, sondern zog ambulante Dienste vor; Einweisungen in Krankenh\u00e4user und sozialmedizinische Institutionen waren nur auf Notf\u00e4lle oder unbedingt notwendige F\u00e4lle beschr\u00e4nkt. Es ist offensichtlich, dass ein Anstieg der Anzahl niedergelassenen \u00c4rzte zu einem Kostenanstieg im ambulanten Bereich gef\u00fchrt hat. Allerdings ist dieser ja auch n\u00f6tig, da die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst und \u00e4lter wird und gleichzeitig eine (kostend\u00e4mpfende) Verlagerung der Medizin in den ambulanten Bereich stattfindet. Gleichzeitig haben wir ja einen zunehmenden \u00c4rztemangel v.a. mit der Pensionierung der Babyboomer \u00c4rztegeneration. Dar\u00fcber hinaus werden in Abb. 6 neben den obligatorischen medizinischen Leistungen weitere Kosten, die einen wesentlichen Anteil an den Gesamtkosten des Gesundheitswesens im Land haben, detailliert dargestellt.<\/div>\n<div id=\"langtext_div8\" class=\"Text\"><b>Kann man die Kosten f\u00fcr das Gesundheitswesen in der Schweiz wirklich bremsen oder stoppen?<\/b><\/div>\n<div id=\"langtext_div9\" class=\"Text\">Meine pers\u00f6nliche Meinung:<\/div>\n<div id=\"langtext_div10\" class=\"Text\">&#8211; Die <b>Alterspyramide der Schweizer Bev\u00f6lkerung<\/b> <i>(Abb. 1)<\/i> zeigt, dass selbst wenn die \u00c4rzte ohne Einkommen arbeiten w\u00fcrden, w\u00fcrde dies in 10 Jahren <b>unweigerlich zu einem Anstieg der Gesamtgesundheitskosten f\u00fchren<\/b>;<\/div>\n<div id=\"langtext_div11\" class=\"Text\">&#8211; Die <b>Kosten f\u00fcr sozialmedizinische Instituten<\/b>, einschliesslich Altenheimen, <b>stellen die zweitgr\u00f6sste Stelle der Gesundheitsausgaben dar<\/b> (Abb. 5). Dazu wird wenig gesagt; es ist einfacher, mit dem Finger auf die \u00c4rzte zu zeigen, aber mit einer Alterung der Bev\u00f6lkerung werden diese Kosten in den kommenden Jahren weiter steigen;<\/div>\n<div id=\"langtext_div12\" class=\"Text\">&#8211; Von 2017 bis 2022 wuchs das BIP trotz des Einbruchs im Jahr 2020 um 11,3%, was mit dem Wachstum der Spitalkosten \u00fcbereinstimmt. Der Anstieg der ambulanten Kosten (andere Leistungen und Arztpraxen) wurde z. T. durch den R\u00fcckgang bei den medizinisch-sozialen Instituten ausgeglichen (Abb. 5). Dieser Effekt ist auf den aussergew\u00f6hnlichen Zeitraum der Pandemie (2020-2022) zur\u00fcckzuf\u00fchren. <b>Die Schweizer Gesundheitskosten wachsen parallel mit dem nationalen BIP<\/b>;<\/div>\n<div id=\"langtext_div13\" class=\"Text\">&#8211; <b>Wenn die Politiker eine wirkliche Senkung der Gesundheitskosten anstreben w\u00fcrden, m\u00fcssten sie eine bestimmte Art der Versorgung einschr\u00e4nken<\/b>. Gezielte K\u00fcrzungen bei bestimmten Gesundheitsdienstleistern werden nur einen Effekt wie \u00abdie kleinen Fische fangen und die grossen schwimmen lassen\u00bb, haben. In der Tat haben wir heute in allen medizinischen Disziplinen aussergew\u00f6hnliche Medikamente, die die Lebensqualit\u00e4t unserer Patienten ver\u00e4ndert haben. Im Jahr 2022 machten ihre Kosten 22% der Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung aus: 8.294 Mia <i>(Abb. 4).<\/i> Meine Psoriasis-Patienten, die mit biologischen Medikamenten behandelt werden, berichten mir, dass sie eine Lebensqualit\u00e4t haben, die fr\u00fcher unvorstellbar war. Viele Patienten mit metastasierendem Melanom leben mit einer Lebensqualit\u00e4t, w\u00e4hrend sie fr\u00fcher einen schlimmen Tod starben. All diese Fortschritte haben ihren Preis, den wir in die Waagschale werfen m\u00fcssen. Wir als \u00c4rzte k\u00f6nnen dem Patienten nur Leben und Lebensqualit\u00e4t bieten.<\/div>\n<div id=\"langtext_div14\" class=\"Text\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass eine K\u00fcrzung der \u00c4rztegeh\u00e4lter das Problem der Gesundheitskosten nicht l\u00f6sen wird, sondern nur ein sehr kleines Pflaster w\u00e4re, welches nur sehr kurz h\u00e4lt. Die Regierung und das Parlament m\u00fcssen die \u00dcberalterung der Bev\u00f6lkerung und die globale Entwicklung der Lebenshaltungskosten ber\u00fccksichtigen, mit denen auch die Gesundheitskosten verbunden sind. Dar\u00fcber hinaus haben Fortschritt und Forschung neue Diagnoseinstrumente und wirksame, leistungsstarke Medikamente hervorgebracht, die unvermeidlich zu einem Anstieg der Gesundheitskosten aber auch zu einer verbesserten Lebensqualit\u00e4t und wirtschaftlichen Leistungssteigerung der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren. Die politischen Institutionen m\u00fcssen sich entscheiden: weiterhin das Beste f\u00fcr alle zu bieten und dabei Kosten zu verursachen, die in jedem Fall parallel zum nationalen BIP wachsen, oder eine bestimmte Art von Dienstleistung auf einen Teil der Bev\u00f6lkerung zu beschr\u00e4nken.<\/div>\n<div id=\"langtext_div15\" class=\"Text\"><\/div>\n<div id=\"langtext_div16\" class=\"Text\">Fortsetzung folgt\u2026<\/div>\n<div id=\"langtext_div17\" class=\"Text\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von 1995 bis 2022 stieg die Bev\u00f6lkerung der Schweiz von 7,041 Millionen (Mill.) auf 8,776 Mill. (+19,77%) Einwohner. 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